Donnerstag, 12. Januar 2017

Wird die Auflösung der Republik Zypern geplant?

Während die meisten nach dem Schock des Terroranschlages von Berlin sich den Weihnachts- und Neujahrsfestlichkeiten gewidmet haben, sind auf der beliebten Mittelmeerinsel Zypern seltsame Dinge vor sich gegangen. Das alles beherrschende Thema, sowohl auf zypriotischer Seite der Republik Zypern als auch im nördlichen, seit 1974 von der Türkei besetzten Teil der Insel, sind die von den Vereinten Nationen initiierten "Friedensgespräche" zur Beilegung des Konflikts. Am 12. Januar 2017 soll nach Möglichkeit in Genf ein entsprechendes Abkommen unterzeichnet werden. Das Ende eines jahrzehntelangen Konflikts scheint in greifbarer Nähe zu stehen.

Grund genug also, für die griechisch-zypriotische Bevölkerung ihr Weihnachtsfest am 7. Januar 2017 in einer Atmosphäre der Hoffnung, ganz im Sinne der christlichen Weihnachtsbotschaft, zu begehen?

Erzbischof Chrysostomos II., geistliches Oberhaupt aller orthodoxen Christen auf Zypern, teilte in seiner Weihnachtsansprache, die in allen Kirchen auf der Insel verkündet wurde, diese Hoffnung ganz und gar nicht. Im Gegenteil. Er griff indirekt den Präsidenten der Republik Zypern an, indem er die "Lösung" die die Unterhändler ausgehandelt haben, als einen Verfassungsbruch und somit für nicht akzeptabel verurteilte. Diese Position bekräftigte der Erzbischof erneut in einem Silvesterinterview mit einem Radiosender auf Kreta, wo er die "unerklärliche Politik" des Präsidenten Nicos Anastasiades auf erheblichen Druck der Vereinigten Staaten von Amerika und insbesondere auf die Leiterin für europäische und eurasische Angelegenheiten im US-Außenministerium, Victoria Nuland, zurückführt.

Victoria Nuland. Wenn dieser Name fällt, löst er schon fast unumgänglich eine Emotion aus. Je nachdem von welcher Seite man es betrachtet, reichen diese über Bewunderung bis zu regelrechtem Hass. Victoria Nuland die "Krawallmacherin", wie es SpiegelOnline in einem der seltenen Kritiken an der US-Politik formuliert hat. Jedem der den Ukraine Konflikt verfolgt, wird Nuland noch sehr gut in Erinnerung sein. Wie sie in einem abgefangenen Telefonat dem damaligen US-Botschafter in Kiew (und welch Zufall, heutigen US-Botschafter in Athen) Geoffrey Pyatt mitteilt, wer welchen Kabinettsposten nach dem noch im Amt stehenden Präsidenten Viktor Janukowitsch erhalten soll. Und was sie von der Europäischen Union hält ("fuck the E.U.").

Was hat es also mit Victoria Nuland und Zypern auf sich?

Zum einen fällt die Insel schon rein von der geografischen Lage in ihr Aufgabengebiet. Zum anderen, und das ist der springende Punkt, hat Nuland nur noch diese eine Chance am 12. Januar, sich selbst ein weiteres Denkmal zu setzen und der US-Politik unter der Administration von Barack Obama den letzten Schachzug zu ermöglichen. Denn wie allgemein erwartet wird, wird dem Auszug von Obama aus dem Weissen Haus in Washington am 20. Januar 2017 folgend, auch Nuland aus dem Außenministerium ausscheiden. Wir haben also auf der einen Seite den unerbittlichen Zeitfaktor, auf der anderen aber die ideologische Überzeugung und entsprechende Ausrichtung sowie Handlung einer Elite, deren Grossmachtdenken im 21. Jahrhundert keinen Platz mehr hat. Und diese Elite sieht sich mit dem Wechsel im Weissen Haus massiv bedroht und um ihre Früchte gebracht, sollte der neue Herr im Hause, Donald Trump, den Kurs einschlagen den er mit wenigen Ausnahmen nicht wirklich formuliert hat. Genau das macht ihn für die Elite - zu der Hillary Rodham Clinton gehört und deren Vertretung sie als Präsidentin übernommen hätte - unberechenbar und deshalb auch gefährlich.

 Zypern befindet sich auf der selben neuen Bruchlinie die sich zwischen zwei Weltanschauungen herauskristallisiert, wie die Ukraine und Syrien auch. Alle Länder die sich links oder rechts der roten Linie auf meiner zugegeben primitiv gestalteten Karte befinden, sind in höchstem Masse durch Instabilität bedroht. In den mit schwarzen Linien versehenen Ländern, hat der "Westen" unter der Führung der USA entweder militärisch, oder durch Einsatz moderner "regime-change"-Techniken bereits interveniert, ohne jedoch das Ziel erreicht zu haben. Die rosa Linien zeigen die punktuellen Stopps, die Russland, als momentaner Anführer der Widerstandsideologie der insbesondere China und Iran angehören, als Verteidigungsmassnahmen gezogen hat. Die blauen Striche zeigen die Vorherrschaft der USA/NATO und deren gewünschte Richtung an, der blaue Kreis unterhalb von Zypern das gigantische Gasvorkommen vor den Küsten Zyperns, Libanons, Israels, Gaza und Ägypten. Die Türkei bleibt nach dem versuchten Putsch an Präsident Erdogan im Sommer 2016 ein großes Fragezeichen für beide Seiten.


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Mittwoch, 4. Januar 2017

Deutschland mitverantworlich für das Blutbad in Syrien

Für Bundeskanzlerin Angela Merkel fing die heutige Syrienkrise bereits im Sommer 2006 an, als es Israel nicht gelungen war, die Hezbollah im Libanon militärisch zu besiegen. Dabei hatte Merkel (nebst George W. Bush, Tony Blair und Stephen Harper) alles auf diese Karte gesetzt, nachdem jede Menge Blutvergießen im Libanon bereits nach der ersten Woche der Kämpfe hätte verhindert werden können, als die Hezbollah einen Waffenstillstand angeboten hatte.

Nun wird die deutsche Syrienpolitik aber auch von anderen Ereignissen beeinflusst, die allesamt sehr komplex miteinander verwoben sind: Energiepolitik, US-Interessen in der Region, Israel, Libanon und Hezbollah, Iran, Russland und zuletzt auch die Türkei.

Angela Merkel wurde im September 2005 mit dem klaren Mandat zur Bundeskanzlerin gewählt, zumindest war es ihr ausgewiesenes Wahlversprechen, eine traditionell engere Beziehung zu den Vereinigten Staaten von Amerika wieder herzustellen. Natürlich freute man sich in Washington darüber, gleichzeitig zeigten diplomatische Depeschen, dass man alles andere als glücklich über die Situation im Berliner Außenministerium ist. Sowohl den mittlerweile verstorbenen Guido Westerwelle, als auch den gegenwärtigen Außenminister Frank-Walter Steinmeier betrachten die USA als Hindernis zu Merkels vollkommenen US-Beziehung.

Berichte wie diese aus dem Jahr 2002, als in der FAZ noch Stimmen zugelassen wurden, die von der "Jetzt bringen wir die Region mal auf Vordermann"-Politik nichts hielten, sind seit der Kanzlerschaft von Angela Merkel äußerst rar geworden. Kein Wunder, gehörte sie doch zu den Gegnern von Kanzler Schröders "Finger weg"-Politik.

Wenn Merkel also "anti-syrische Neigungen" hegte, dann galt das ganz bestimmt auch für den Iran. Erst recht, nachdem der millionenfach zitierte Übersetzungsfehler des iranischen Präsidenten Mahmud Ahmadinejad für Furore in den höchsten Politkreisen zog und selbst heute, zehn Jahre später, nach wie vor seine Runden dreht. Die Antwort Ahmadinejads an die Bundeskanzlerin wird sie nicht großartig besänftigt haben. Aufgeschreckt durch die Iran-Verhandlungen in Paris, wo Frankreich und Deutschland tatsächlich eine für alle Seiten befriedigende Lösung des iranischen Atomprogramms finden wollten - Iran legte ein einmaliges Angebot vor, welches Berlin und Paris auf Druck von Washington fallen ließen -, tourten Vertreter Israels ab Herbst 2005 und Anfang 2006 durch europäische Hauptstädte, Washington und Moskau, um die Regierungen davon zu überzeugen, dass das iranische Atomprogramm eine Gefahr für alle darstellte. Angela Merkel übernahm diese Rhetorik nur all zu bereitwillig.

Einen regelrechten Dämpfer für die westliche anti-iranische Rhetorik, verpassten ausgerechnet die US-Geheimdienste im Jahr 2007 selbst. In dem jährlichen National Intelligence Estimate (NIE), einer eigentlich geheimen Einschätzung aller Geheimdienste für diverse Krisenherde auf der Welt, wurde der Teil über den Iran an die Presse geleakt. Für die israelisch/amerikanischen Vorbereitungen, ein internationales Sanktionsregime gegen Teheran auf die Beine zu stellen, war die Einschätzung der Geheimdienste, Iran habe spätestens seit 2003 das nukleare Waffenprogramm eingestellt, ein Desaster. Immerhin fußte die gesamte Rhetorik auf dieser Behauptung. Kein Wunder nannte Präsident George W. Bush diese Einschätzung als "eye-popping", also "staunenerregend".

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Sonntag, 11. Dezember 2016

Auswirkungen von Merkels "anti-syrischen Neigungen"


Je näher sich die Entscheidung über das Schicksal von Aleppo anbahnt und damit auch der ganze Verlauf des bald sieben jähriges Krieges in Syrien, desto schriller werden die Meldungen in unseren Medien. Das ist an sich nichts Neues oder Erstaunliches. Was aber interessant zu beobachten ist, dass es einige Politiker in Deutschland gibt, die diesen Krieg als wirksame Methode für sich zur Förderung der eigenen Karriere entdeckt haben. Durch ihren Versuch, die Medien in ihrer Schrillheit zu toppen, erhoffen sie sich, sich als besonders qualifizierte oder starke Führungspersönlichkeiten vor den Wählerinnen und Wählern zu profilieren. Und was alle eint, was der sprichwörtliche rote Faden ist, ist ihre Position in wichtigen Gremien und ihre besondere Nähe zur Bundeskanzlerin Angela Merkel.

 Die zwei besten Beispiele sind der Bundestagsabgeordnete Roderich Kiesewetter und EU-Parlamentsabgeordnete Manfred Weber. Beide Männer gehören zu der eher jüngeren Generation von Politikern an, deren Karrieren beileibe noch nicht am Ende angekommen sind. Beide kommen aus dem CDU/CSU Bündnis der Kanzlerin, deren Vorstandsvorsitzende sie ist. Und beide wissen sie auch, was sie dafür liefern müssen: unbedingte Loyalität gegenüber der Kanzleramt. Während Kiesewetter in Berlin den schwäbischen CDU-Landkreis Aalen-Heidenheim an der Brenz vertritt, ist Weber trotz seiner 44 Jahren bereits ein politisches Schwergewicht. CSU-Parteivize und Mitglied des CSU-Präsidiums, Europaabgeordneter der CSU-Niederbayern, Fraktionsvorsitzender der Europäischen Volkspartei (EVP) im Europaparlament, und das wichtigste Merkmal: er gilt als "Statthalter Angela Merkels" in Brüssel. Erst kürzlich hat Manfred Weber einen deutschen Machtkampf im Europaparlament für sich entschieden, als er Parlamentspräsident Martin Schulz endgültig vom Thron stieß und ihn in die Bundesliga zurück schickte. Eine beeindruckende Vita.

Weber weiss also, wie das Spiel funktioniert. Als Vorsitzender der stärksten Fraktion im Europaparlament, wacht er über 216 EVP-Sitze von insgesamt 751 Sitzen im französischen Strassburg, wo das europäische Parlament ihren Anfang nahm. Zusammen mit den Koalitionspartnern der EVP, den europäischen Grünen/Europäische Freie Allianz mit 50 Sitzen und der Allianz der Liberalen und Demokraten Europas mit 69 Sitzen, verfügt die EVP über eine veritable Ausgangslage im Europaparlament. Betrachtet man sich diese Situation und das EVP-Positionspapier , wird Manfred Weber zurecht als "Statthalter" der deutschen Bundeskanzlerin bezeichnet.  Über ihn ist Merkel in der Lage, enormen Einfluss auf die europäische Politik zu nehmen und ihre Politik/Interessen durchzusetzen, was angesichts der EVP-Positionierung in wichtigen Fragen wie Außenpolitik oder Energiesicherheit zugegebenerweise nicht stark ins Gewicht fällt.

 Ein Statthalter, Satrap, Proconsul, alles Bezeichnungen für einen Mann, der die Politik und Befehle seines Chefs (Kanzler-in, König, Kaiser, Präsident, wie Sie wollen) aus der weit entfernten Hauptstadt, in seinem ihm zugeteilten Gebiet ausführt und dafür mit reichlich Macht ausgestattet ist. Von solch einem Mann darf man sich also nicht wundern, wenn es hin und wieder recht zünftige Watschn, um in der nativen Sprache Weber`s zu bleiben, in Form von verbalen Attacken gibt. So beschimpfte Weber während der Griechenlandkrise, den griechischen Ministerpräsidenten Alexis Tsipras als "Lügner", und fauchte jene Parlamentsabgeordnete als "Extremisten" an, die die Rede von Tsipras mit Applaus quittierten. Das war im Sommer 2015, als der Krieg in Syrien sich bereits in seinem fünften Jahr befand und tausende Menschenleben gefordert hatte.

Nur stand es zu diesem Zeitpunkt nicht auf der politischen Agenda des niederbayrischen EU-Abgeordneten und CSU-Vize Manfred Weber. Das Interesse für Syrien - abgesehen von vereinzelten Kommentaren zur Flüchtlingswelle und Verteidigung von Viktor Orbans Flüchtlingspolitik, die diametral der der Kanzlerin gegenüberstand und deshalb Ende 2015 einen Rückzieher machte - und insbesondere für die syrische Metropole Aleppo wurde erst geweckt, als Ende September 2015 "plötzlich" russische Kampfjets in Syrien auftauchten und die beschämende Politik der westlichen Regierungen gewaltig durcheinander wirbelten. Erst dann rutschte Syrien in Webers Agenda ganz weit nach oben und wurden die Töne schriller.

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Montag, 28. November 2016

Deutschland in der Krise Teil 4

Schlimmer noch. Diese Fusion von Nazis und Geheimdiensten (einschließlich von Teilen ihrer verschiedenen Ideologien) einerseits und Miteinbeziehung derselbigen in die Strukturen der NATO, führte zu mörderischen Ergebnissen im Rahmen der Operation GLADIO (NATO-interne Bezeichnung für die Operation in Italien; in anderen Ländern trugen die Operationen andere Namen, der Einfachheit halber wird in diesem Kontext GLADIO für alle solche stay-behind Operationen der Allianz verwendet). Überall wo die USA und ihre NATO-"Partner" eine Gefahr für eine demokratisch gewählte Regierung die dem Kommunismus nahesteht sahen, oder wo es ihrer Meinung nach eine Gefahr der sowjetischen Invasion geben könnte, stellte und bildete die NATO geheime Terrorgruppen aus. In den sowjetischen Ländern wie Ukraine, Estland und Litauen, reaktivierten sie ehemalige Kollaborateure der Nazis. Die Idee dieser sogenannten stay-behind army war es, sich im Falle einer sowjetischen Invasion "überrollen" zu lassen, um später dann Sabotageakte und Terroranschläge gegen die sowjetische Besatzungsmacht zu verüben. In Abwesenheit einer solchen Invasion aber, war die Aufgabe dieser GLADIO-Einheiten "Vorbereitung auf Notsituation". Finanziert wurde das gesamte Programm geheimdienstlicher und subversiver Aktivitäten, welche Präsident Harry S. Truman durch die 10/2-Direktive institutionalisiert hatte (Präsident Dwight D. Eisenhower ergänzte, bzw. ersetzte die 10/2 durch 5412/2), durch den geheimen Contingency Reserve Fund der CIA. Dieser Fonds wurde über das CIA-Budget aufgefüllt, welches wiederum selbst dem Budget des Verteidigungsministeriums untersteht, und bedurfte nicht der geringsten Übersicht oder Kontrolle des Kongresses, wie es ansonsten mit allen anderen Budgets der Fall ist. Die CIA musste lediglich angeben, ob das Geld das in den Fonds einbezahlt wurde, auch tatsächlich ausgegeben wurde. Aber wieviel einbezahlt, für welchen Zweck oder welche Operationen das Geld verwendet wurde, musste nicht dargelegt werden. Dass diese Praktik der Korruption Tür und Tor sperrangelweit aufriss, versteht sich eigentlich von selbst.

Was genau mit "Vorbereitung auf Notsituation" bedeutete, wurde entweder nicht explizit schriftlich definiert, oder aber die entsprechenden Dokumente unterliegen weiterhin den Staatsgeheimnissen aus Gründen der nationalen Sicherheit der verschiedenen NATO-Mitglieder. Erst die schrecklichen Terroranschläge in Italien aus den Jahren 1969 in Mailand, 1974 in Brescia und ein weiterer auf den "Italicus Express"-Zug auf dem Weg von Rom nach München, und 1980 auf eine Bahnhofwartehalle in Bologna, und die Untersuchung eines unerschrockenen italienischen Staatsanwalts, brachten diese dunkle Seite der NATO ans Tageslicht. Verurteilt und ins Gefängnis gesteckt wurden derweil linke und kommunistische Oppositionspolitiker, denen die Auftraggeber der Terroranschläge die Schuld in die Schuhe gesteckt haben. Insgesamt kamen bei diesen Anschlägen 121 unschuldige Menschen ums Leben. Im Zuge der Untersuchungen zu den GLADIO-Anschlägen, "entdeckte" der Staatsanwaltschaft den Mann der die Bomben gelegt hatte: Vincenzo Vinciguerra. In einem Interview 1992 sagte er warum diese Terroranschläge durchgeführt wurden:
 "Der Grund war ganz einfach. Sie (die Anschläge/Anm.) waren dazu gedacht, sie, die italienische Öffentlichkeit, dazu zu bringen, sich an den Staat zu wenden und nach mehr Sicherheit zu fordern. ... Sie (die Auftraggeber/Anm.) nennen es "Strategie der Anspannung". Das ist die politische Logik die hinter all diesen Massakern und Anschlägen liegt, welche ungesühnt blieben, weil der Staat sich ja nicht selbst verurteilen kann oder die Verantwortung dafür übernehmen kann, was passiert ist."


            Quelle: https://csis-prod.s3.amazonaws.com/s3fs-public/publication/160714_USAREUR_Graphics_Map.pdf


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Mittwoch, 23. November 2016

Deutschland in der Krise - Teil 3

"Ich weiß schon längst, dass die Soldaten der Waffen-SS anständige Leute waren. Aber solange wir nicht die Souveränität besitzen, geben die Sieger in dieser Frage allein den Ausschlag, so dass wir keine Handhabe besitzen, eine Rehabilitierung zu verlangen… Machen Sie einmal den Leuten deutlich, dass die Waffen-SS keine Juden erschossen hat, sondern als hervorragende Soldaten von den Sowjets gefürchtet war […] gezeichnet: Dr. Konrad Adenauer, Bundeskanzler.“
Schockierend, nicht wahr? Ausgerechnet der "Vater" der Bundesrepublik Deutschland und Mitbegründer der Christlich Demokratischen Union (CDU), schrieb diese Worte im Oktober 1955 an den FDP-Abgeordneten General a.D. von  Manteuffel.  Dabei stand er beileibe nicht als Einziger mit dieser Meinung da. Oberleutnant der Nazi-Wehrmacht Franz Josef Strauss, der andere Titan deutscher Nachkriegsgeschichte von 1953 bis 1969 (mit 4-jährigem Unterbruch dazwischen)  in verschiedenen Ministerien der deutschen Regierung tätig und von 1978 bis 1988 Bayerns Ministerpräsident, meinte 1969:
"Ein Volk, das diese wirtschaftlichen Leistungen erbracht hat, hat ein Recht darauf von Auschwitz nichts mehr hören zu wollen."
Generalleutnant Adolf Heusinger, kurzweilig sogar Generalstabschef der Wehrmacht, wurde 1948 von seinem ehemaligen Untergebenen Reinhard Gehlen in seine Gehlen Org rekrutiert. 1955 erfolgte der Wechsel in die frisch gegründete Bundeswehr, in welcher er einer der ersten Generäle war und sofort zum Leiter der Streitkräfte erhoben wurde. 1961 folgte die Ernennung zum Vorsitzenden der Militärkommission der NATO in Washington. Als Berater bei der Bundeswehr diente Heusinger bis 1960 der als Kriegsverbrecher verurteilte Feldmarschall Erich von Manstein. Obwohl von Manstein es wiederholt in Abrede stellte, formulierte er den im Oktober 1941 im Rahmen der Operation Barbarossa erhaltenen "Reichenau-Befehl" eigenständig in folgenden Befehl um:
„Das jüdisch-bolschewistische System muß ein für allemal ausgerottet werden. Nie wieder darf es in unseren europäischen Lebensraum eingreifen. Der deutsche Soldat hat daher nicht einfach die Aufgabe, die militärischen Machtmittel dieses Systems zu zerschlagen. Er tritt auch als Rächer für alle Grausamkeiten, die ihm und dem deutschen Volk zugefügt wurden, auf. […] Für die Notwendigkeit der harten Sühne am Judentum, dem geistigen Träger des bolschewistischen Terrors, muß der Soldat Verständnis aufbringen. Sie ist auch notwendig, um alle Erhebungen, die meist von Juden angezettelt werden, im Keime zu ersticken.“ Quelle: Unternehmen Barbarossa.“ Der deutsche Überfall auf die Sowjetunion 1941 von Wolfram Wette
 Unzählige weitere ehemalige Nazis - unabhängig davon ob sie lediglich Parteimitglieder waren, Spitzenfunktionäre oder tatsächliche Kriegsverbrecher - schafften es in Deutschland und Österreich auf politische und militärische Spitzenpositionen. Die NATO wurde dadurch völlig von innen kompromittiert, da solche Leute wie Heusinger und nach ihm Dr. Eberhardt Tauber auf Positionen saßen, in denen sie die Strategie der NATO entscheidend beeinflussen konnten. Mit Argusaugen verfolgte Reinhard Gehlen und seine Hintermänner in der CIA diese Entwicklung, die sowohl dem späteren Bundesnachrichtendienst (BND) unter Gehlen, als auch der CIA nahezu problemlosen Zugang zur NATO ermöglichte. Dass aber der raison d’être der NATO, die Verbreitung des Kommunismus zu verhindern, Ausrottung des Nazismus und Kontrolle über Deutschland, bereits mit einer Selbstlüge begann, in dem der Nazismus eben nicht ausgerottet wurde, spielte keine Rolle mehr. Denn der eigentliche Grund für diese Allianz war nicht so sehr die Angst vor dem Kommunismus oder den Nazis, als die Aushebelung des noch jungen Sicherheitsrates der Vereinten Nationen. Washington wollte Europa nach eigenem Maßstab und eigener Vision aufbauen, ohne dass irgendjemand im Sicherheitsrat mit einem Veto dazwischen funken konnte. Ein weiterer wichtiger Aspekt war, Westeuropa davor zu bewahren, sich an die Sowjetunion mit Hilfsanfragen zu wenden. Mit einem wirtschaftlichen und militärischen Programm, dem Marshall-Plan und dem Abkommen von Washington, pumpte Amerika Milliarden von US-Dollars nach Westeuropa, welche an Bedingungen geknüpft waren. Europa sollte zusammenwachsen, was gut war, und es sollte sich ausschließlich an Amerika orientieren, was ein Rezept für ein späteres Desaster war.


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Montag, 14. November 2016

Deutschland in der Krise Teil 2

"Die Niederlage, die Deutschland durch seine eigene Überheblichkeit erlitten hat, wird nie wieder durch Waffengewalt abgeändert werden. Wie immer sich auch das politische Gesicht der Welt gestalten möge, die vereinten militärischen Kräfte, die Deutschland jetzt besiegt haben, werden jedem zukünftigen deutschen Angriffswunsch geschlossen im Wege stehen. Da die deutsche Rüstungsindustrie vollständig verwüstet ist und Millionen deutscher Männer gefallen sind, wird die Übermacht der Vereinten Nationen an Industrie-­ und Menschenmaterial über viele Jahre noch überwältigender sein, als sie es schon vorher war. Und obwohl der Verlust an Menschenleben im Laufe der Zeit durch das Heranwachsen von Kindern wieder ausgeglichen wird, der deutschen Industrie wird es nie wieder erlaubt werden, Waffen für einen deutschen Angriffskrieg zu erzeugen. Deutschlands Niederlage wird niemals durch Waffengewalt abgeändert werden. Nur durch friedliche Arbeit kann Deutschland jemals hoffen, sich als Nation wieder aufzurichten." Quelle: Mitteilung über die Dreimächtekonferenz von Berlin (Potsdamer Abkommen) vom 2.8.1945
Mit diesen Flugblättern wurden die Menschen am 2. August 1945 in einigen deutschen Städten über das informiert, was nach Meinung der Verfasser der Flugblätter, irgendwann einmal die Zukunft der Deutschen sein sollte. Nie wieder Waffenproduktion, nie wieder deutscher Nationalismus. Selbst die eigene kulturelle Identifikation, das was eine Nation ausmacht, wurde zumindest vorübergehend zusammen mit dem Nazi-Regime zerstört. Eine Rückgabe, oder besser gesagt eine Akzeptanz einer deutschen Nation, wurde lediglich mit einem Fragezeichen in Aussicht gestellt.

Das war die Ausgangslage nach dem Zweiten Weltkrieg in Deutschland, mit der sich nicht nur die Besatzungsmächte auseinandersetzen mussten, sondern insbesondere die Deutschen selbst. Man muss sich diese Situation nur einmal vor Augen führen: das, was den Menschen den Rahmen (Staat) des Alltags bot, so gut oder schlecht dieser auch gewesen war, existierte mit allen seinen Konsequenzen plötzlich nicht mehr. Außer einem vagen Gefühl was die neuen Herrscher von einem erwarten, die völlige Abstoßung der nationalen Identität, war nichts anderes greifbar. Dazu kam der unausweichliche Kampf um die Nachfolge. Die Besatzungsmächte haben in Potsdam die Teilung Deutschlands beschlossen und somit eine gewisse Richtung vorgegeben. Ein Teil würde an Polen, beziehungsweise Tschechoslowakei fallen, was zu einer aus Warschauer bzw. Prager Sicht willkommenen "Umsiedlung" von Millionen Deutschen nach Westen führen würde. Nach Westen, das bedeutete mindestens linkerseits des Oder Flusses, der zur neuen Demarkationslinie und späteren Grenze zwischen Deutschland und Polen werden sollte. Im Westen angelangt, sassen diese Flüchtlinge aber wieder im Osten fest. Sie befanden sich auf dem Gebiet Deutschlands, welches der Sowjetunion zugesprochen wurde. Viele zog es deshalb erneut nach Westen, in Gebiete unter amerikanischer, britischer oder französischer Besatzung, wo sie durch sogenannte "Grenzdurchgangslager" mussten.

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Montag, 7. November 2016

Deutschland in der Krise Teil 1

"Im düstern Auge keine Thräne,
sie sitzen am Webstuhl und fletschen die Zähne;
Deutschland, wir weben dein Leichentuch.
Wir weben hinein den dreyfachen Fluch –
Wir weben, wir weben!

Ein Fluch dem Gotte, zu dem wir gebeten
In Winterkälte und Hungersnöthen;
Wir haben vergebens gehofft und geharrt,
Er hat uns geäfft und gefoppt und genarrt –
Wir weben, wir weben!

Ein Fluch dem König, dem König der Reichen,
Den unser Elend nicht konnte erweichen,
Der den letzten Groschen von uns erpreßt
Und uns wie Hunde erschießen läßt –
Wir weben, wir weben!

Ein Fluch dem falschen Vaterlande,
Wo nur gedeihen Schmach und Schande,
Wo jede Blume früh geknickt,
Und Fäulniß und Moder den Wurm erquickt –
Wir weben, wir weben!

Das Schiffchen fliegt, der Webstuhl kracht,
Wir weben emsig Tag und Nacht –
Altdeutschland, wir weben dein Leichentuch,
Wir weben hinein den dreyfachen Fluch,
Wir weben, wir weben!"

Dieses Gedicht, auch als Wiegenlied oder Weberlied bekannt, stammt aus der Feder eines der bedeutendsten deutschen Dichter. Heinrich Heine schrieb es, nachdem er im Juni 1844 die sogenannten "Weberaufstände" in Schlesien miterlebte, welche Vorboten der grossen Revolutionen von 1848 waren, die Europa in den Grundfesten erschütterten.

172 Jahre, zwei Napoleonische- und zwei Weltkriege später, stehen wir gefühlt wieder an der gleichen Stelle, wie Heinrich Heine auch schon. Dieses Gedicht könnte auch das heutige Deutschland beschreiben, wo es zwar keine Könige mehr gibt, dafür aber Parteibonzen, die sich einem König nicht unähnlich versuchen an der Macht zu halten. Dekadenz ist ebenso vorhanden, wie damals am Königshofe. Zwar wird das Volk nicht mehr erschossen, aber genauso ausgenommen wie es Heine beschrieb. Die Kluft zwischen Arm und Reich wird immer grösser. Das, worauf die ganze Welt so neidisch war und wovon die Millionen von Flüchtlingen noch immer träumen, die deutsche Mittelschicht, wird immer kleiner. Die Demokratie? Nun, darüber lässt sich durchaus streiten wie da der Stand der Dinge ist.

Die sogenannten "etablierten" Politparteien sehen sich von einer jungen, und im Gegensatz zu ihren eigenen eingefahrenen Strukturen, recht dynamisch daherkommenden AfD-Partei konfrontiert. Mit Arroganz und Denunziation versuchten diese Etablierten der AfD ein Bein zu stellen, doch je heftiger die Angriffe gegen die "Alternative für Deutschland" und damit im Grunde auch gegen die Demokratie wurden, desto stärker wurde sie. Heute ist die AfD zur grössten Herausforderin dieser Etablierten geworden. Auch das ist Demokratie. Ist sie aber auch tatsächlich eine Alternative für Deutschland, wie es sie sich auf die Fahne geschrieben hat? Das muss jeder für sich selbst entscheiden. Ich persönlich sehe sie als eine Partei, die zur Bedrohung für Deutschland werden kann (siehe dazu auch den wirklich hervorragenden Artikel von Jens Jessen). Aber nochmal, die Tatsache - oder die Schuld wenn man so will - dass es die AfD überhaupt gibt und sie heute so stark ist wie sie ist, tragen die vermeintlich "professionellen" und etablierten Parteien, die durch ihr arrogante Machtpolitik erst einen Bedarf für eine Alternative geschaffen haben.

Es gärt in Deutschland, in Europa und eigentlich auf der ganzen Welt. Finanzkrise, Eurokrise, Ukrainekrise, Syrienkrise, EU-Krise, Flüchtlingskrise, Skandale wie die NSA oder NSU, suchen Sie es sich aus. Diese latente Spannung wird eines Tages irgendwo hin müssen. Das muss nicht zwangsweise einen erneuten Weltkrieg bedeuten, obwohl die Gefahr heute größer ist, als sie es im Kalten Krieg war. Warum? Weil man im Kalten Krieg genau wusste, mit wem man es zu tun hatte. Es gab den "Westen", angeführt von den USA, und es gab den "Osten", angeführt von der Sowjetunion, und beide Blöcke hielten eine ungefähre, militärische Parität. Jene Länder die weder dem einen, noch dem anderen Lager angehören wollten oder konnten, nannte man "Dritte Welt", welche sich in der Bewegung der Blockfreien Staaten (NAM) organisiert haben. Heute ist das nicht mehr so. Zwar gibt es nach wie vor den "Westen", der aber nichts mehr mit jenem aus dem Kalten Krieg zu tun hat. Es ist nur noch ein Begriff, der ein gewisses "Wertesystem" suggerieren soll.

Dazu kommt, dass sich seit dem Kalten Krieg auch die geografische Weltkarte enorm verändert hat. Es gibt heute viele neue Länder, die es damals nicht gab. Wir haben in Europa die Europäische Union, die alles andere als eine Union ist, auch wenn sie sich gerne so sehen möchte und deren Verfechter sie so auch sehen. Eine richtige Union spricht mit einer Stimme, verfolgt eine Politik und was noch wichtiger ist, sie steht für sich ein, mit allem was dazu gehört. Idealerweise sollte sie ihren Bürgerinnen und Bürger ein Vorbild sein, so dass sich ein Identifikationsprozess mit dieser Europäischen Union entwickeln kann. Solange sie aber nur eine Wirtschaftsunion mit einer vereinhaltlichten Währung ist - an welche selbst einer der Architekten der Europäischen Zentralbank (EZB) nicht mal mehr glaubt - kann und wird dieser Prozess nicht stattfinden.

Dass diese EU nicht vorwärts kommt, dass sie den Status einer reinen Wirtschaftsunion nicht überwinden kann und sich stattdessen nach nur 24-jährigem Bestehen in einem Überlebenskampf befindet, hat, nebst anderen Ursachen, sehr viel mit Deutschland zu tun.

Es wäre zu viel verlangt, hier diesbezüglich zu tief ins Detail zu gehen, obwohl es enorm wichtig wäre. Dennoch muss man sich der Frage stellen, um die obige Aussage auch im richtigen Kontext verstehen zu können.

Deutschland wurde schon "immer" als ein Problem in und für Europa betrachtet. Dieses spezielle Problem ist so alt wie das Heilige Römische Reich selbst. War Deutschland zu schwach, wurde es von stärkeren Nachbarn angegriffen, aufgeteilt und ausgebeutet. War es aber zu stark, dominierte Deutschland Kontinentaleuropa. Als "Drittes Reich" unter der Naziherrschaft wurde Deutschland im Zweiten Weltkrieg von einer Koalition von West- und Ost besiegt. Für die siegreichen Mächte, insbesondere aber für einige höchst einflussreiche Personen in den Vereinigten Staaten von Amerika, war es nicht genug Deutschland militärisch besiegt zu haben, sondern "diese Bestien" zu zerstören und nie wieder auferstehen zu lassen. Ein solch prominenter Plan war der sogenannte "Morgenthau-Plan", benannt nach dem damaligen Finanzminister (mit deutsch-jüdischen Wurzeln) Henry Jr. Morgenthau. Es wäre allerdings falsch, die Zerstörung Deutschlands ausschließlich auf Morgenthaus Plan zurückzuführen. Ja, er verfügte über enormen Einfluss auf Präsident Franklin D. Roosevelt, aber er war beileibe nicht der einzige, der dieses Ziel verfolgte. US-Kriegsminister Henry L. Stimson antwortete am 5. September 1944 auf ein von Außenminister Cordell Hull vorbereitetes Papier für den Präsidenten mit dem Namen "Vorgeschlagene Empfehlung zur Behandlung von Deutschland": 
 "Meine grundlegende Ablehnung von den vorgeschlagenen Methoden zur Behandlung Deutschlands, die heute Vormittag diskutiert wurden, ist, dass nebst eines Systems zur präventiven und erzieherischer Bestrafung, sie die gefährliche Waffe der kompletten wirtschaftlichen Unterdrückung hinzufügen würden. Solche Methoden verhindern meiner Meinung nach keinen Krieg, sie tendieren dazu einen Krieg zu verursachen."
 Es müssen also höchst drastische "Methoden" gewesen sein, die Außenminister Hull dem Präsidenten vorgeschlagen hat. Insbesondere der wirtschaftliche Aspekt dieser "Empfehlung" und die offensichtliche Richtung die die Richtung der Diskussion genommen hat, lehnte der Kriegsminister vollumfänglich ab. Das waren die Empfehlungen des Mannes, der 1945 mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet wurde:
"Die primären Ziele unserer Wirtschaftspolitik (für Deutschland/Anm.) sind (1) der Lebensstandard der deutschen Bevölkerung soll am Existenzminimum gehalten werden; (2) die deutsche Position der wirtschaftlichen Macht in Europa soll eliminiert werden; (3) die deutsche Wirtschaftskapazität muss so umgewandelt werden, dass Deutschland so von Importen und Exporten abhängig wird, dass es nie wieder mit eigenen Maschinen zu einer Kriegsproduktion zurückkehren kann."
Die Einwände von Kriegsminister Stimson fanden Eingang in die Konzeptionsphase der Bombenkampagne gegen Deutschland der britischen und amerikanischen Luftstreitkräfte. Nebst des "moralischen Effektes auf die Zivilbevölkerung", sollte die strategische Bombardierung Waffenfabriken, Ölraffinerien und weiteren militärischen Zielen gelten. "Bomber Harris", ein zu einer gewissen Bekanntheit erlangter britischer Kampfpilot im Zweiten Weltkrieg,  beschrieb die Bombenkampagne allerdings mit diesen Worten:
"Das Ziel der Kombinierten Bomber Offensive ... sollte unmissverständlich als die Zerstörung deutscher Städte formuliert werden, das Töten deutscher Arbeiter, und der Zusammenbruch des zivilen Lebens in ganz Deutschland. Es sollte betont werden, dass die Zerstörung von Häuser, öffentlichen Einrichtungen, Transport und Menschenleben, die Schaffung eines Flüchtlingsproblems in einem noch nie dagewesenen Ausmaß, und der Zusammenbruch der Moral Zuhause wie auch an den Kriegsfronten durch die Angst vor einer Ausweitung und Intensivierung der Bombardierung, akzeptierte und beabsichtigte Ziele unserer Bombardierungspolitik sind. Sie sind keine Beiprodukte von Versuchen, Fabriken zu treffen."
Auch der "Held" des Zweiten Weltkriegs, Winston Churchill, zeigte sich nach der Bombardierung von Dresden wohl überrascht über das Ausmaß der Zerstörung:
"Es scheint mir, dass der Moment gekommen ist, dass die Frage nach der Bombardierung deutscher Städte einfach nur um den Terror zu erhöhen, auch wenn unter anderen Vorwänden, hinterfragt werden sollte."
 Das "Bomber Harris" mit seiner Beschreibung viel näher an der Wahrheit lag, als es die offiziellen Pläne der Alliierten vermuten lassen würden, zeigte sich schließlich in den Flugblättern an die deutsche Bevölkerung, die im Sommer 1945 verteilt wurden:
"Die Niederlage, die Deutschland durch seine eigene Überheblichkeit erlitten hat, wird nie wieder durch Waffengewalt abgeändert werden. Wie immer sich auch das politische Gesicht der Welt gestalten möge, die vereinten militärischen Kräfte, die Deutschland jetzt besiegt haben, werden jedem zukünftigen deutschen Angriffswunsch geschlossen im Wege stehen. Da die deutsche Rüstungsindustrie vollständig verwüstet ist und Millionen deutscher Männer gefallen sind, wird die Übermacht der Vereinten Nationen an Industrie-­ und Menschenmaterial über viele Jahre noch überwältigender sein, als sie es schon vorher war. Und obwohl der Verlust an Menschenleben im Laufe der Zeit durch das Heranwachsen von Kindern wieder ausgeglichen wird, der deutschen Industrie wird es nie wieder erlaubt werden, Waffen für einen deutschen Angriffskrieg zu erzeugen. Deutschlands Niederlage wird niemals durch Waffengewalt abgeändert werden. Nur durch friedliche Arbeit kann Deutschland jemals hoffen, sich als Nation wieder aufzurichten." Quelle: Mitteilung über die Dreimächtekonferenz von Berlin (Potsdamer Abkommen) vom 2.8.1945
 Dass der Wunsch unmittelbar nach dem Krieg vorhanden war, Deutschlands Wiedererstarken am besten auf ewige Zeiten hinaus verhindern zu wollen, war angesichts des Horrors des Krieges selbst und insbesondere den Eindrücken des Holocausts nur zu verständlich. Es musste eine Lösung für das "deutsche Problem" gefunden werden.

Diese Lösung hieß einerseits Aufteilung des Territoriums des Dritten Reiches, andererseits die Schaffung einer "europäischen Integration": Das, was von Deutschlang übrig blieb und unter der Besatzung der USA, Großbritanniens und Frankreichs stand, sollte durch die Errichtung einer wie auch immer gearteten Union, unter Kontrolle gehalten werden. Die Mechanismen zur Erfüllung dieser Aufgabe würden die traditionellen Feinde Deutschlands, die Nachbarstaaten, durch die gleichberechtigte Teilnahme an der gemeinsamen Politik dieser Union, ausüben.

Obwohl zeitgenössische Meinungen die Vision einer "Europäischen Union" oder "Vereinigten Staaten von Europa" den europäischen Politikern der Nachkriegszeit zuschreiben, ist sie in Wahrheit so alt wie das Heilige Römische Reich selbst. Denn die politische Ausrichtung des Reiches, war zwar der Zeit entsprechend mit einem König bzw. Kaiser an der Spitze versehen, doch unterhalb des Königs/Kaisers herrschte eine föderale Struktur, in welcher jeder der auf dem Territorium des Reiches lebenden Landesherren, politisch im Reichstag vertreten war. Im späten Mittelalter waren es Immanuel Kant und William Penn (der Gründer von des US-Bundesstaates Pennsylvania), die sich mit ihren Schriften für eine moderne Version, ein geeintes, sicheres Europa in einer föderativen Struktur aussprachen. Selbst Napoleon träumte bei seinem Feldzug gegen Russland von einem geeinten Europa, allerdings um es besser beherrschen zu können. Kleinere Unione gab es indes immer wieder in Europa: flächenmässig das größte war die Litauen-Polen-Union von 1386 bis 1791.

Die Idee dieser europäischen Integration, Vereinigungen, oder wie auch immer man es benennen möchte, ist also ganz sicher keine "Vision" oder "Erfindung" der Nachkriegszeit gewesen. Präsident Franklin D. Roosevelt betrachtete das Projekt Europa im Grunde nicht ganz anders als Napoleon. Für seinen in den USA verhassten New Deal brauchte er neue Märkte, neue Ressourcen und vor allen Dingen frisches Kapital. Mit einem geeinten Europa liesse sich dieses Ziel viel einfacher verfolgen, als mit einzelnen, sich bekämpfenden Nationalstaaten. Zumal, wie bereits weiter oben erwähnt, es mit dieser Struktur möglich sein würde, Deutschland zu kontrollieren und gegebenenfalls einzuschreiten. Während Roosevelt in Deutschland die "Bestie" sah, um die Bezeichnung von Henry Jr. Morgenthau an dieser Stelle zu verwenden, sah es nach seinem überraschenden Tod am 12. April 1945 sein noch überraschenderer Nachfolger Harry S. Truman völlig anders. Für Truman sollte die Sowjetunion die "Bestie" werden, die es mit allen Mitteln abzuwehren galt. Aber auch dafür liesse sich ein vereintes Europa hervorragend benutzen.

Den Amerikanern war klar, dass sie ein Instrument brauchen würden, um die verschiedenen in Europa in Konkurrenz stehenden Organisationen und Vereinigungen lenken zu können. Zu diesem Zweck wurde das American Committee on United Europe (ACUE) 1948 gegründet. An der Spitze standen am Anfang William Joseph Donovan und Allen W. Dulles, beides hochranginge Offiziere des bei US-Kriegseintritt gegründeten Geheimdienstes Office of Strategic Services (OSS), der Vorgängerorganisation des heutigen Central Intelligence Agency (CIA).

Zu Allen W. Dulles sollte noch kurz etwas erwähnt werden. Als Sohn einer Diplomatenfamilie, wurde ihm der Weg in die Welt der Politik sozusagen in die Wiege gelegt. Sein Onkel war US-Außenminister Robert Lansing (von 1915 - 1920).  1918 wurde Dulles von US-Präsident Woodrow Wilson als Mitglied der US-Delegation zur "Friedenskonferenz" von Paris entsandt. Zusammen mit seinem älteren Bruder John Foster, der später Außenminister der USA werden sollte, setzte er nebst Woodrow Wilson und noch vier weiteren Männern, die Unterschrift unter den Versailler-Vertrag, der den Grundstein für den Aufstieg des Nationalsozialismus in Deutschland gelegt hat. Kurz nach der Unterzeichnung wurde Allen W. Dulles zum Ersten Sekretär der US-Botschaft in Berlin ernannt.
Es war John Foster, der seinen jüngeren Bruder Allen 1927 in die Anwaltskanzlei Sullivan&Cromwall holte, einer, wie man heute sagen würde, Lobbyfirma für ausländische Kunden. Allen W. Dulles arbeitete sich dank seiner ausgezeichneten Verbindungen zur Regierung und zum Rockefeller Clan (direkte familiäre Beziehung), bis zum Direktor der Kanzlei hoch. In dieser Position pflegte er bis 1941 natürlich über engste Kontakte zu seiner internationalen Kundschaft, darunter auch deutsche Unternehmen wie der damals weltgrösste Chemiekonzern I.G. Farben. Die Dulles-Brüder vermittelten Millionenkredite für deutsche Unternehmen und schließlich sogar direkt für die Regierung des Dritten Reiches. Zum Dank für die guten Dienste, erhielt Dulles die I.G. Farben Generalrepräsentanz für den amerikanischen Markt.

Der selbe Dulles also, der in den 1930er Jahren den Aufstieg des Hitler-Regimes in Deutschland mitbegünstigte, wurde 1942 als Leiter des OSS-Geheimdienstes in Bern/Schweiz eingesetzt, um im Prinzip den Untergang Hitlers mitvorzubereiten. Nach Kriegsende erfolgte noch 1945 die Versetzung ins OSS-Büro in Berlin. Seine eigentliche Aufgabe in Deutschland war es, dem frisch gegründeten Internationalen Militärtribunal in Nürnberg bei den Untersuchungen der Anklage zur Seite zu stehen, nachdem sein Freund und Mentor, William J. Donovan, sich mit dem Chefankläger des Tribunals über die Frage verworfen hat, ob alle deutsche Offiziere als Kriegsverbrecher zu behandeln sind (was Donovan strikt ablehnte). Der andere wesentliche Aspekt von Dulles`Arbeitsgebiet war die Suche nach eventuellen Hinweisen eines Übergriffes der Roten Armee jenseits der vereinbarten Demarkationslinie. Denn der neue Präsident in den USA, Harry S. Truman, fokussierte sich bereits auf einen neuen Feind: die "gottlose Sowjetunion". Da Amerikas Geheimdienst aber über kein Netzwerk in Osteuropa verfügte und selbst nur sieben Ost-Experten beschäftigte, musste Washington wohl oder übel auf das zurückgreifen, was eben vorhanden war. Und das waren nun mal "moderate" Nazis.


Allen W. Dulles wurde schnell fündig. Generalmajor Reinhard Gehlen, Leiter der Abteilung Fremde Heere Ost, der den deutschen Krieg im Osten Europas mitplante und ein entsprechendes Netzwerk an Informanten, Guerillakämpfern und faschistischen Nationalisten vom Baltikum bis zur Ukraine (gerade diese Länder erleben zur Zeit eine Nazi-Renaissance, wo ehemalige Kriegsverbrecher als Nationalhelden erklärt werden) aufgebaut hatte. Gehlen witterte bereits nach dem Stalingrad-Horror 1943 eine deutsche Niederlage und bereitete sich entsprechend vor. Er und sein engster Stab erstellten ein eigenes Archiv von Dokumenten und Karteien, von denen er wusste, dass sie nach dem Krieg seine eigene Rettung bedeuten würden. Und genau so kam es auch. Gehlen und vier weitere deutsche Offiziere seines Stabes, stellten sich freiwillig am 22. Mai 1945 den Amerikanern, wo sie umgehend auf ihre Vergangenheit und potenzielle Hilfeleistung für Amerika aufmerksam machten. Doch zu seinem grossen Entsetzen stieß er anfänglich auf wenig Interesse bei den Amerikanern. Erst als die Sowjetunion einen Antrag für die Auslieferung von Reinhard Gehlen mitsamt seinen Dokumenten aufgrund der Kriegsverbrechen "seiner" Gesellen im Baltikum und der Ukraine stellte, wurden sie wirklich auf ihn aufmerksam. In der Folge landete Gehlen bei Major General Edwin L. Sibert in Wiesbaden, wo er als Vize-Stabschef des militärischen Geheimdienstes für den Krieg in Europa arbeitete. Sibert kontaktierte General Walter Bedell Smith, den Stabschef des Oberkommandierenden Dwight D. Eisenhower, und machte ihn auf Reinhard Gehlen und das, was er anzubieten hatte, aufmerksam.

Es ist nicht bekannt, ob Allen W. Dulles bereits in Deutschland Kontakt zu Gehlen hatte. Was aber klar ist, dass in Wiesbaden die Weichen für eine äußerst verhängnisvolle Beziehung gestellt wurden. Obwohl Eisenhower eine strikte Order erteilte, die es den US-Armeeangehörigen in Deutschland nicht erlaubte, sich mit deutschen Kriegsgefangenen zu befreunden, geschah genau das hinter seinem Rücken. Damit nicht genug, ausgerechnet sein Stabschef holte auf Anweisung des Pentagons Gehlen und seine Leute mit seiner eigenen Maschine am 24. August 1945 nach Washington.

Das muss man sich einmal kurz vor Augen führen: noch eine Woche vor dem offiziellen Endes des Zweiten Weltkrieges durch die Kapitulation Japans am 2. September 1945 (nachdem Anfang August US-Präsident Truman völlig unnötig zwei Atombomben auf Nagasaki und Hiroshima abwerfen ließ), flogen die Amerikaner bereits hochrangige Militärs der deutschen Wehrmacht ein (Generalmajor Reinhard Gehlen, Major Horst Hiemenz, Oberst Heinz Herre, Oberst Konrad Stephanus, Franz Hinrichs, Herbert Feukner; es ist eher unwahrscheinlich dass Hinrichs und Feukner Wehrmachtsangehörige waren. Von Hinrichs weiss man, dass er ein von den Nazis verfolgter SPD-Politiker war). Nazis, die im Osten Europas einen unbarmherzigen Krieg gegen den US-Alliierten, die UdSSR, führten. Die gleiche UdSSR, die mit Abstand die größten Opfer erbrachte (Todesopfer, Armeen, Verwüstung, Aufwand) um Europa vor dem Nazi-Joch zu befreien und den Horror zu besiegen, wurde nur knappe vier Monate nach der Kapitulation der Wehrmacht, von Mitgliedern der Wehrmacht im Auftrag der USA wieder ins Visier genommen. Dazu kommt, was vielleicht sogar noch Schlimmer wiegt, die Tatsache hinzu, dass Reinhard Gehlen seine Pläne dem amtierenden Reichspräsidenten des Dritten Reiches, Admiral Karl Dönitz, während ihrer gemeinsamen Zeit in Wiesbadener Gefangenschaft unterbreitete, und dieser die Pläne genehmigte.

Das bedeutet, dass die Kontaktaufnahme zu den Amerikanern eine offizielle Operation der Regierung des Dritten Reiches war! Ob heutige Staatsrechtler eine testamentarische Ernennung Dönitz` als rechtmässig betrachten oder nicht, spielt gar keine Rolle. Es entsprach damaligem deutschen, geltendem Gesetz, und da das Dritte Reich mit Absicht nie aufgelöst wurde (die "deutsche Kapitulation" vom 8. Mai 1945 war lediglich eine Kapitulation der Wehrmacht, eines Teiles der deutschen Streitkräfte"), war Dönitz trotz seiner Gefangenschaft, immer noch offiziell Reichspräsident.